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Geschichtsbewusst und zukunftsorientiert

Bei der Einweihung des Jugendraums im Ellwanger Böhmerwald-Vereinsheim richtete die Vorsitzende der Spielschar, Claudia Beikircher, folgende Worte an die Gäste:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freude und Mitglieder,

ich erspare es mir und Ihnen, alle Politiker, Mandatsträger und Ehrengäste einzeln aufzuzählen. Denn sicherlich würde ich angesichts der hochkarätigen Gästeschar einige von Ihnen vergessen. Besonders begrüßen muss ich allerdings, das gebietet der Respekt vor der ideellen wie finanziellen Unterstützung in den zurückliegenden Jahren: Herrn Bürgermeister Bux und die Vertreter des Ellwanger Gemeinderats. Denn ohne deren Zutun würden wir heute nicht hier stehen und es wäre uns, als Teil des Heimatverbandes der Ellwanger Böhmerwäldler, nicht möglich gewesen, unsere Kulturarbeit in der bisherigen Form durchzuführen.

Leider ist für mich der heutige Tag nicht nur ein Freudentag. Sicherlich: Die Einweihung eines Jugendraums ist ein einmaliger Markstein in der nun mehr als 40jährigen Geschichte der Böhmerwaldjugend in Ellwangen. Die Voraussetzungen für die Pflege des sudetendeutschen Kulturguts - sei es im Lied oder Tanz, im Werken oder Brauchtumspflege - sind so gut wie nie zuvor. Doch in die Freude mischt sich auch Bitterkeit. Denn zur Aufgabe einer "Sing- und Spielschar der Böhmerwäldler" gehört auch die politische Arbeit.

Ja, sie hören richtig. Junge Menschen, zum Teil seit Generationen im Schwabenland verwurzelt, sollen bei uns, in der Böhmerwaldjugend, politische Arbeit tun. Wer in Böhmerwäldler Tracht auf eine Bühne marschiert, weist auf das Schicksal einer ganzen Volksgruppe hin, regt zum Nachdenken an. Und das wollen wir auch: Die Menschen sollen nachdenken über den Umgang mit anderen Nationen, mit Fremden im eigenen Land und über menschenverachtende Politik.

Leider zeigt sich im Kosovo derzeit wieder, wie aktuell die Arbeit der heimatvertriebenen Deutschen ist. Vertreibung ist kein abgeschlossener Teil der Geschichte, Vertreibung droht noch immer. Wenn die Sudetendeutschen vom Recht auf Heimat sprechen, so geht es nicht um irgendein geschichtliches Relikt.

In der "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" heißt es: "Wir haben unsere Heimat verloren. Heimatlose sind Fremdlinge auf dieser Erde. Gott hat die Menschen in ihre Heimat hineingestellt. Den Menschen mit Zwang von seiner Heimat trennen, bedeutet, ihn im Geiste töten."

Das haben die Vertriebenen bereits 1950 niedergeschrieben - im Hinblick auf die Situation im Kosovo gewinnt ein anderer Teil der Charta der deutschen Heimatvertriebenen eine zukunftsträchtige Bedeutung; ich zitiere: "Die Völker müssen erkennen, dass das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen wie aller Flüchtlinge, ein Weltproblem ist, dessen Lösung höchste sittliche Verantwortung und Verpflichtung zu gewaltiger Leistung fordert. Wir rufen Völker und Menschen auf, die guten Willens sind, Hand anzulegen ans Werk, damit aus Schuld, Unglück, Leid und Armut und Elend für uns alle der Weg in eine bessere Zukunft gefunden wird." Zitatende

Auch wir, die "Sing- und Spielschar der Böhmerwäldler aus Ellwangen", als Teil der Deutschen Jugend in Europa, der Sudetendeutschen Jugend und der Böhmerwaldjugend, wollen einen Weg in eine bessere Zukunft gehen. Doch diese scheint noch in weiter Ferne zu sein. Noch müssen wir zur heimatkundlichen, kulturellen Arbeit auch als Mahner für Gesellschaft wie Politik auftreten. Unter diesem Aspekt muss auch unser Engagement als Trachtengruppe außerhalb der Vertriebenenverbände gesehen werden, sei es beim Ellwanger Stadtfest oder beim europäischen Trachten- und Volkstumsfest, der "Europeade".

Da ich nicht als erste Rednerin bereits den Zeitrahmen der Veranstaltung sprengen will, möchte ich mit dem Dank an diejenigen schließen, ohne die sich gar nichts bewegen würde und ohne die alle Theorie fern der Praxis bliebe: Ich danke allen Förderern, Freunden und ganz besonders allen Mitgliedern der "Sing- und Spielschar" für den Einsatz in den zurückliegenden Jahren. Ein besonderer Dank gilt den Mitgliedern des Heimatverbands, die uns in den zurückliegenden Jahren und vor allem bei der Renovierung dieses Jugendraums tatkräftig unterstützt haben. Wenn wir so, wie wir beim Renovieren dieses Raumes zusammen Hand angelegt haben, weiterhin an einem Strang ziehen, ist mir um das weitere Gedeihen dieser Gruppe nicht bange.


Vielen Dank nochmals.